Warum es gar nicht so einfach ist, eine Jeans in Deutschland herzustellen – Die Franconian Denim

„Made in Germany“, das findet sich auf Textilien mittlerweile eher selten. Auch wir bei bleed produzieren größtenteils im Ausland, achten dort jedoch genauestens darauf, dass unsere Standards eingehalten werden. Unserer „Franconian Denim“ jedoch können wir ein solch seltenes „Made in Germany“ Label verpassen, denn vom Weben des Stoffes bis zur Konfektion wird sie in Deutschland gefertigt. Es ist Zeit, dir die Geschichte der Jeans aus Deutschland zu erzählen!

Das Märchen von der Biojeans aus Oberfranken

Es waren einmal zwei Jungs, die wohnten im schönen Frankenwald. Die Region um Helmbrechts war früher eine sehr bekannte Textilregion. Immer und immer wieder sind die beiden sind in ihrem Heimatort über den Weg gelaufen. Man kennt sich. Der eine: Michael Spitzbarth, kreativer Kopf des von ihm 2008 gegründeten, aufsteigenden Textillabels bleed. Der andere: Florian Wirth, welcher das im Jahr 1862 gegründete Familienunternehmen -eine Weberei für Heim- und Dekotextilien in Helmbrechts- übernommen hat.

Werd scho irgendwie wern

Eines schönen Tages treffen die beiden sich endlich mal auf ein Bier. Und dabei kam ihnen eine Idee: Warum nicht mal was zusammen machen? Die Gedanken kreisten und kreisten und am Ende dann der verrückte Plan: Warum nicht einen Denim Stoff zusammen produzieren, der komplett in der Region gefertigt wird? Als ehemalige Textilkammer Europas müsste Oberfranken das doch hergeben? Zwar haben viele Betriebe in den letzten Jahren geschlossen, aber Michael von bleed träumt schon seit längerer Zeit davon, endlich auch wieder Textilien in der eigenen Region zu fertigen. Florian kann den Stoff weben, für den Rest hat Michael das nötige Know-How. „Werd scho irgendwie wern”, wie man in Oberfranken so schön sagt. Eine super Idee und beide waren von Anfang an mit großer Begeisterung dabei. Doch dann fing die Arbeit erst richtig an.

Ziel war es, die Hose -vom Färbeprozess bis zum fertigen Produkt- komplett in der Region unter biofairen Standards zu produzieren. Das hieß, für folgende Prozesse musste Abhilfe geschaffen werden: Färben der Garne, Weben der Garne zum Jeansstoff, Veredelung des fertigen Stoffes und die Konfektion der Hosen.

Probleme über Probleme

Bis die beiden den ersten Stoff in den Händen halten konnten, ging noch so einiges schief. Viel Nerven und Zeit hat es gekostet, die Idee nicht doch wieder zu verwerfen. Erst passte die Garnfarbe nicht, dann war der Stoff zu dünn, dann drehte der Stoff sich beim Waschen oder die Maschine lief nicht rund und Fäden sind immer wieder gerissen – immer neue Probleme sind aufgetreten. Doch sie mussten gelöst werden, denn keiner wollte das Projekt gefährden. Ganze vier Jahre dauerte es, bis endlich der erste Denim-Stoff, der den qualitativen Anforderungen gerecht wurde, hergestellt werden konnte.

Die Franconian Denim 1.0

Und irgendwann dann waren die ersten Hosen fertig! Die Garnherstellung erfolgte in Thüringen. Gewebt wurde natürlich in Helmbrechts bei der Weberei Wirth. Auch der Stoff für die Taschenbeutel wurde dort gefertigt. Die Suche nach einer passenden Konfektion, um der Hose ihre Form zu geben, war die letzte große Herausforderung. Letztendlich ist bleed hier leider nicht in Franken fündig geworden, sondern im Emsland, was dem Namen „Franconian Denim“ allerdings keinen Abbruch tut, da ja mit Denim in erster Linie der Stoff gemeint ist! In sorgfältiger Handarbeit wurden dort die geschnittenen Stoffstücke zur „Franconian Denim” zusammengefügt, somit war die erste Charge Hosen (fast) komplett „Made in Germany“ (da Baumwolle leider immer noch nicht bei uns wächst 😉 ).

Die Probleme hören nicht auf

Dieser Punkt hätte eigentlich das Happy End dieses turbulenten Märchens sein sollen. Aber natürlich kam alles ganz anders. Die Kundinnen und Kunden mochten die Franconian Denim und schnell war klar: Diese Hosen müssen unbedingt nachproduziert werden. Doch dann ist der Garnhersteller in Thüringen insolvent gegangen. Lange hat Michael von bleed nach einem Garnhersteller in Deutschland gesucht. Da der Großteil der Textilherstellung jedoch aus Deutschland abgewandert ist, war das eine riesen Herausforderung.

Die Lieferkette der Franconian Denim 2.0

Schwer vorzustellen, dass überall nach neuen, innovativen Produkten gesucht wird, ständig kommen neue High Tech Stoffe auf den Markt, aber dann ist die Suche nach einem Garnhersteller in Deutschland so schwierig, dass das Garn der neuen Franconian Denim nun in GOTS zertifizierten Betrieben in Indien hergestellt wird. Dieses Garn wird in Selbitz noch mal aufgezwirnt. Zwirn ist nicht der Standard, macht den entstehenden Stoff aber besonders qualitativ hochwertig (reißfest, scheuerfest, formstabil). Das Garn mit dem Elasthan Anteil ist von Gebrüder Otto aus Dietenheim. Die Färberei für das Kettgarn ist die Firma Hecht in Mühlhausen (Thüringen). Es ist eine Kreuzspulfärbung mit Reaktivfarbstoffen. Bei der Weberei Wirth im bleed Heimatort Helmbrechts finden die Hauptarbeitsschritte statt. Dort wird die Kette erstellt und mit synthetischem Wachs gewachst. Das ist wichtig, damit die Fäden unter der hohen Spannung in der Maschine nicht reißen. Gewebt wird ebenfalls wieder bei der Weberei Wirth. Das anschließende Waschen, Krumpfen und Spannen passiert bei der Firma Schüler in Kulmbach. Das macht man, damit der Stoff in Form bleibt und sich nicht verzieht. Auch die Taschenbeutel werden in Helmbrechts bei der Weberei Wirth gewebt. Die Konfektion, also der Zuschnitt und das Nähen erfolgt wieder in der Manufaktur im Emsland. Ein echter Glücksgriff, denn nicht jede Näherei kann automatisch Jeans nähen. Man benötigt besondere Maschinen und Personen, die diese Maschinen gekonnt bedienen können. Es gibt in Deutschland fast keine Betriebe mehr mit diesen Maschinen und dem Know-how. Danach kommen die fertigen Hosen zu bleed und werden zurzeit im stationären bleed Store und über den Online Shop verkauft.

Und die Moral von der Geschicht? So einfach produziert man eine Jeans in Deutschland nicht.

Die Produktion einer simplen Jeans aus Deutschland ist deutlich schwieriger umsetzbar, als eine Hightech Outdoorjacke im Ausland herstellen zu lassen. Für bleed Gründer Michael ist jedoch klar: Er will noch mehr Textilien wieder in Deutschland produzieren. Ein Damenmodell der Franconian Denim folgt im Frühjahr/Sommer 2021.

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