Trekking auf dem Forststeig – Teil 2

Den ersten Teil des Trekkingberichts findest du hier.

Tag 4 Von der Kamphütte zur Rotsteinhütte

Der Wecker klingelt um 5.30 Uhr, denn wir wollen den Sonnenaufgang am Aussichtspunkt „Nachbar“ erleben. Leider war die Nacht in der Hütte unerwartet unerholsam. So ein Etagenbett ist echt laut und wenn dann noch Isomatte und Schlafsack aneinander reiben, ist das Schlaflosigkeitsorchester komplett. Nächstes Mal werde ich also auf jeden Fall Ohrenstöpsel mitnehmen. Ohne Frühstück wandern wir trotzdem motiviert los. Am Aussichtspunkt angekommen haben wir leider die Höhe der Bäume unterschätzt und so warten wir eine ganze Weile, bis wir die Sonne zu Gesicht bekommen. Dennoch: das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, denn über 20 km Weg liegen heute vor uns und die Morgenstimmung im Wald ist einzigartig. Der Forststeig führt uns nach unten ins Bielatal. Wir gelangen zu einer gefassten Quelle, in welcher ich mit einer Balance, die ich mir zuvor nie zugetraut hätte, lediglich auf einem Stein im Wasser stehend unsere Trinkblasen fülle. Wir verlassen den Weg ein kurzes Stück und steigen hinauf zu den Herkulessäulen. Dort sind wir komplett allein und können beobachten, wie die Sonne immer weiter nach oben wandert und so nach und nach die beiden Felstürme anstrahlt. Definitiv das Highlight des Tages.

Unsere Wanderung führt uns erneut auf die andere Seite des Tals, ständig geht es zwischen den Felsen auf und ab. Am Aussichtspunkt Johanniswacht bietet sich uns ein großartiger Blick auf die Felsenlandschaft des Bielatals. Wir schlagen nun den Weg Richtung Grenzplatte ein. Ich bin mir mittlerweile fast sicher, dass ich wohl keinen Kilometer mehr laufen kann, denn jeder Muskel schmerzt. So geht es mir auf dem Forststeig oft: Der Weg führt kreuz und quer, hoch und wieder runter und oft frage ich mich, was das eigentlich alles soll und warum dieser Weg so anstrengend sein muss. Doch dann gelangen wir immer wieder an einen Ort, für den sich all die Anstrengung lohnt. So auch der Ausblick von der Grenzplatte. Von dort geht es ins Tal.

Wir folgen dem Lauf der Dürre Biela, die ihrem Namen alle Ehre macht, denn aktuell ist sie komplett ausgetrocknet. Nach einem steilen Aufstieg, der erneut einiges an Kraft kostet, bietet sich uns ein toller Blick über die Kletterwelt des Dürrebielagrunds. Wir steigen ab auf einen Forstweg und auf diesem laufen wir einige Kilometer durch den Wald. Weil wir nicht wirklich wissen, wo wir unsere Wasservorräte auffüllen können, entscheiden wir uns, dem Örtchen „Rosenthal“ einen kleinen Besuch abzustatten. Dort soll es laut Forststeigführer einen Lebensmittelladen und einen Bäcker geben. Der Gedanke an eine Brezel ist Motivation genug, um die ca. 2 km Umweg auf sich zu nehmen. Im Dorf angekommen dann die Enttäuschung: die Bäckerei wurde geschlossen. Aber das Lebensmittelgeschäft erscheint uns wie das reinste Schlaraffenland. Wir gönnen uns eine Cola, Hummus, Oliven und ein wenig frisches Obst. Zu diesem Zeitpunkt besser als jedes Festmahl. Außerdem können wir unsere Wasservorräte auffüllen. Richtung Rotsteinhütte ist es nun nicht mehr weit. Dort angekommen bin ich unglaublich stolz auf uns, denn noch vor einigen Tagen hätte ich mir eine solche Wanderung nicht zugetraut. Auch heute schlafen wir erschöpft, aber glücklich um halb neun ein.

Tag 5 Von der Rotsteinhütte bis in die Nikolsdorfer Wände

Der Tag beginnt erneut sehr früh, um 6 Uhr haben wir bereits die Hütte verlassen und sind auf dem Weg Richtung Rotstein und Katzfels. Den Katzfels besteigen wir mit einer langen Eisenleiter. Von dort setzen wir unsere Tour durch die Felsen fort und gelangen kurz darauf an die Aussicht Signal. Weiter geht’s zum Spitzstein, wo wir entspannt eine Pause machen und uns unser Frühstück schmecken lassen. Allein in den ersten zwei Stunden des Tages haben wir damit heute schon drei Gipfel bestiegen. Am Fuße des Spitzsteins befindet sich das Spitzsteinbiwak, welche eine weitere Übernachtungsmöglichkeit für Forststeigwanderer bietet. Wir müssen dringend unsere Wasservorräte auffüllen und machen uns auf die Suche nach der ungefassten Pechbornquelle. Wir finden sie im dichten Unterholz mitten im Wald. Zum Glück haben wir uns vorher informiert und Kristoffer beginnt ganz fachmännisch nach Grundwasser zu graben. Mit kühlem Quellwasser im Rucksack gehen wir zurück auf den Forststeig.

Es erwartet uns ein langer Aufstieg auf den Lampertsstein und so langsam beginnt der Himmel, sich zuzuziehen. Wir wandern noch einige Meter auf dem Felsplateau und uns biete sich ein Blick auf den Schneeberg. Verrückt, dass wir diesen erst vor drei Tagen bestiegen haben und immer noch fit genug sind für die restliche Wanderung. Auf einem schmalen Pfad laufen wir dann direkt in die Hölle, so wird dieser dicht begrünte Abschnitt des Tals genannt. Der Name Hölle erscheint hier aber genau richtig, denn mittlerweile hat sich nicht nur der Himmel zugezogen, auch Donner ist zu hören. Und dann beginnt es nach kurzer Zeit heftig zu regnen. Wir suchen Unterschlupf unter einer großen Buche in der Hoffnung, dass der Regen in Kürze aufhört. Der Wald riecht ganz wunderbar nach Regen und wir setzen unsere Tour auf den nassen Wegen fort. Im Zick Zack steigen wir weiter hinab zu einem Aussichtspunkt am Kleinen Eichberg, der mal einen ganz anderen Blick bietet: weite Wiesen, Laubwald und weiter entfernt ein kleines Dorf. Doch dann fängt es wieder heftig an zu Regnen. Wieder suchen wir Schutz unter einem Baum, doch der Regen will einfach nicht aufhören. Also entscheiden wir uns für Regenjacke und Regenhülle und wandern weiter.

Begleitet vom Prasseln der Tropfen steigen wir auf dicht bewachsenen Pfaden hinauf und erreichen nach einiger Anstrengung den Bernhardstein. Ein weites Panorama erwartet uns, jedoch ist es uns nicht ganz geheuer bei diesem Regen und Gewitter auf dem Aussichtsplateau zu bleiben. Also steigen wir auf rutschigen Eisenleitern hinab, bis der Forststeig uns zum Labyrinth führt. Der restliche kurze Etappenabschnitt ist abenteuerlich, immer wieder geht es etwas bergauf und bergab, hin und her, über Felsen, Wurzeln und umgefallene Bäume. Wir gelangen schließlich an einige hohe Felsformationen und sind in den Nikolsdorfer Wänden angekommen. Dort machen wir uns auf die Suche nach einer Boofe für die Nacht. Wir finden einen überdurchschnittlich großen Überhang für unser Nachtlager und sind endlich vor dem Regen geschützt. Irgendwann hört der Regen dann doch auf und die Sonne kommt hervor. Eine magische Stimmung liegt über dem Wald, als der Wasserdampf nach oben steigt und die Sonnenstrahlen unsere Höhle erreichen. Trocken, erschöpft aber glücklich schlafen wir schließlich gegen 20 Uhr ein.

Tag 6 Von den Nikolsdorfer Wänden bis zum Bahnhof Bad Schandau

Gegen drei Uhr morgens wache ich auf, weil Kristoffer etwas unbeholfen über mich hinwegklettert. Er ist von einem lauten Knabbergeräusch wach geworden. Da hat doch tatsächlich eine kleine Maus zwei Löcher in seinen Rucksack geknabbert. Ohne weitere Mausvorfälle schlafen wir bis ca. 6 Uhr und starten in unsere letzte Etappe. Kaum zu glauben, dass das heute schon die letzten 25 km des Forststeigs sind. Nach kurzer Zeit passieren wir die Naturbühne Leupoldishain. Früher war hier einmal Platz für 1200 Gäste. Heute stehen nur noch einige wenige Bankreihen vor einer steinernen Bühne, Aufführungen gibt es hier trotzdem noch gelegentlich. Nun gelangen wir an das Walderlebniszentrum Leupoldishain. Neben einer tollen Lehrstätte für Kinder gibt es dort seit kurzem einen neuen Biwakplatz, dieser ist bisher in keiner Karte und keinem Wanderführer vermerkt. Der große Luxus dieses Platzes ist ein Wasserhahn. Dort füllen wir unsere Wasservorräte und gehen auf einem breiten Forstweg wieder in den Wald.

Wir kommen gut vorwärts, denn es geht zum Glück mal nicht ständig auf und ab und gelangen schließlich im Tal auf eine Straße, wo wir Richtung Quirl abbiegen. Ab jetzt geht es ständig bergan. Nach etwa 2 km bequemen Aufstieg biegt der Forststeig auf einen kleinen Pfad und es geht auf einmal steil bergan direkt den Hang hinauf. Das ist wieder so eine Tücke des Forststeigs: Es gäbe zwar einen bequemen Weg, die gelben Forststeigzeichen führen jedoch ganz woanders lang. Es tut jedoch gut zu wissen, dass wir schon viele solcher Aufstiege geschafft haben. Auf dem Plateau des Quirls legen wir mit Ausblick auf die Festung Königststein eine längere Frühstückspause ein. Das wird mir fehlen.

Nachdem wir 4 km Abstieg geschafft haben, geht es hinauf Richtung Gohrischstein. Auch hier hat es der Aufstieg wieder in sich. Zwar führt er nicht steil den Hang hinauf, jedoch müssen wir unendlich viele Stufen erklimmen. Oben auf dem Gohrischstein treffen wir auf mehr Menschen, als uns bisher auf dem gesamten Forststeig begegnet sind. Dennoch ist der Ausblick fantastisch. Erstaunlich, dass einem das nach sechs Tagen Wanderung immer noch nicht langweilig wird.

Auch der Abstieg führt über viele Treppenstufen, die vom gestrigen Regen noch feucht sind. Wir überqueren einen Parkplatz und beginnen mit dem Aufstieg auf den Papststein. Wieder geht es über Stufenreihen hinauf, doch oben wartet unsere Belohnung in Form einer Berggaststätte. Da heute der letzte Tag ist, entscheiden wir uns dazu, uns sogar etwas zu Essen zu gönnen, denn es gibt hier auch ein veganes Gericht. Gut gesättigt machen wir uns an die letzten Kilometer des Weges. Das Essen liegt zwar etwas schwer im Magen, aber die gute Laune bleibt. Einige Stufen führen uns hinab zu einem Weg, welcher uns zum Kleinhennersdorfer Stein bringen soll. Unglaublich, aber es ist der letzte Gipfel des gesamten Forststeigs. Der Kleinhennersdorfer Stein präsentiert sich mit zahlreichen verwitterten Felsformationen. Hier soll es sehr viele Höhlen zu erkunden geben, da uns jedoch jeder einzelne Muskel wehtut, lassen wir diese hinter uns und steigen nach kurzer Zeit wieder hiab. Der steile Abstieg ist nass und rutschig und mehr als einmal habe ich das Gefühl, jetzt den Halt zu verlieren. Wir kommen jedoch unversehrt unten an und gehen über Forst- und Feldwege immer Richtung Bad Schandau. Wir verlassen den Wald und laufen auf einer Brücke mit Blick auf die Elbe den letzten Kilometer bis Bad Schandau.

Und dann haben wir es geschafft. Hinter uns liegen gut 110 km Trekking durch die wunderschöne weite und einsame Landschaft des Elbsandsteingebirges. Sechs Tage voller freudiger, schöner, anstrengender, aber absolut lohnenswerter Momente.

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